Veranstaltet vom Bürgerbüro Stadtentwicklung Hannover e. V. (bbs) und der ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft fand am 19.04.2021 in den Abendstunden eine Online-Veranstaltung zum Thema „Zukunft Stadt“ statt. Moderiert durch Dr. Barbara Warner fanden sich etwa 60 Teilnehmer*innen für einen Austausch über städtische Gerechtigkeit und die Aussichten für Hannover zusammen.

Hannovers Bürgermeister Thomas Hermann bestärkte in den einleitenden Worten die Wichtigkeit von Gerechtigkeit und Chancengleichheit für die Stadt Hannover. Er wies auf den diesjährigen Start des hannoverschen Innenstadtdialogs hin und gratulierte im Namen der Stadt Hannover dem bbs zum 25-jährigen Jubiläum.

Geladene Gäste für eine wissenschaftliche Perspektive auf das Thema waren Prof. Dr. Tanja Mölders und Prof. Tim Rieniets von der Leibniz Universität Hannover. Prof. Rieniets eröffnete anfangs allen Teilnehmer*innen eine neue Sichtweise auf die „gerechte Stadt“. So stellte er die These auf, dass Städte zwar viele Ungerechtigkeiten vorweisen können, aber die größte Auswahl an Ressourcen aufweisen und damit aktiv zur individuellen Selbstverwirklichung beitragen. Zu diesen Ressourcen gehören z. B.: Wohnformen, Kultur, Soziales und Beteiligungsmöglichkeiten. Rieniets stellt die Stadt als solche damit über andere Siedlungsformen, da sie durch die Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Ressourcen „produktiver“ ist.Eine spannende Brücke zwischen Raum- und Planungswissenschaften zu Geschlechterforschung wurde durch Prof. Dr. Tanja Mölders geschlagen. Sie betonte den Unterschied zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit. Man müsse dabei die unterschiedlichen Voraussetzungen bei unterschiedlichen Akteur*innen beachten. Dies habe vor allem die Frauen- und Geschlechterforschung zeigen können. Daher sei eine „ausgleichende Gerechtigkeitsplanung“ besonders wichtig. Außerdem sollten vor allem marginalisierte Bevölkerungsgruppen im Planungsprozess gehört und beachtet werden und ihre Raumnutzungsansprüche gefördert werden.

Neben der wissenschaftlichen Perspektive waren auch jene eingeladen, die bereits aktiv an einer gerechten Stadt in Hannover arbeiten. Initiativen und Vereine sind substantieller Teil der Zukunftsdiskurse unserer Stadt.

So stellte Corinna Weiler den Andersraum e.V. vor. Er führt Empowermentarbeit im Bereich der sexuellen Orientierung und Identität durch und setzt sich gegen Diskriminierung ein.

Dr. Moritz Engbers stellte eine integrierte Raum-, Verkehrs- und Sozialplanung vor. Bei „Social2Mobility“ soll es durch diese mehr soziale Teilhabe geben. Dies geschieht durch Workshops, Vernetzungsarbeit aber auc durch qualitative Befragungen von Familien und Haushalten. Ein gelungenes Beispiel für Beteiligungskultur!

Nicht nur alteingesessene Hannoveraner*innen sollen die Möglichkeit haben, sich aktiv am Stadtleben zu beteiligen sondern auch frisch zugegzogene Nachbar*innen. Dafür gibt es „ZWEIeinander“, ein Integrationsprojekt des Freiwilligenzentrums Hannover. Melanie Osthaus erklärte das Prinzip des Projektes: Viele neu Eingewanderte oder Geflüchtete besuchen zwar vormittags Sprachkurse, haben aber nachmittags kaum die Möglichkeit zum Austausch auf Deutsch und damit zur Anwendung des neu Erlernten. Durch Tandems mit Ehrenamtlichen entwickeln sich Gespräche und aus diesen Sprachfreundschaften.

Der Wissenschaftsladen Hannover und das Forschungszentrum TRUST der Leibniz Universität Hannover haben in einer Kooperation das Projekt „Zukunftsdiskurse Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ ins Leben gerufen, vorgestellt von Dominika Vogs. Dabei ist klar geworden: Es ist wichtig, Wissenschaft und Praxis zu verknüpfen. So soll zum Beispiel wissenschaftliche Expertise für Initiativen nutzbar gemacht werden. Das einjährige Projekt hat sich dies als Ziel gesetzt und hat dafür unter anderem Workshops angesetzt, in welchen die Zivilgesellschaft und die Wissenschaft ins Gespräch kamen. Neben den Workshops gab es Stadtteilinterviews, welche später Teil einer Social-Media-Kampagne waren.

Insgesamt haben die Vorstellungen der Initiativen gezeigt, dass die „gerechte Stadt“ nicht nur durch Politik und Verwaltung entsteht, sondern vor allem durch sich ins Stadtleben einbringende Vereine und Projekte. Diese werden durch die Stadt Hannover gefördert und sind damit wichtiges Bindeglied zwischen Verwaltungsebene und Bevölkerung.

Nachfolgend erhalten Sie die Möglichkeit, sich die einleitenden Worte von Thomas Hermann, sowie die wissenschaftlichen Inputs von Prof. Dr. Tanja Mölders und Prof. Dr. Tim Rieniets in Gesamtlänge anzuschauen.

 

 

 

Anlässlich des 25. Jubiläums hat das bbs eine Prämie von 250€ durch die Stadt erhalten! Danke an Thomas Hermann, der dem bbs für die Übergabe einen Besuch abstattete. Wir bedanken uns recht herzlich bei der Stadt Hannover für die unterstützende Zusammenarbeit in den letzten Jahren und freuen uns auf die zukünftigen Veranstaltungen.

           

 

Gerne wollen wir auch von Ihnen wissen, was Ihre Vorstellungen von einer gerechten Stadt sind! Wie stellen Sie sich ein gerechtes Hannover vor, in welchem Sie gerne leben?

Wir freuen uns über Ihren Beitrag für ein zukunftsfähiges Stadtleben in unserer Umfrage.

 

 

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