Mehr als 70 Bürger*innen sind am letzten Freitag zur 2. Veranstaltung der Reihe „Stadtentwicklung von unten“ des Bürgerbüros Stadtentwicklung Hannover in die Kunsthalle auf dem Faust-Gelände gekommen. Thema des Nachmittags war die selbstgemachte Stadt.

Zu Beginn stellte Prof. Uwe Altrock von der Universität Kassel eine Vielzahl von Projekten aus unterschiedlichen Städten vor, bei denen Bürger*innen die Entwicklung ihrer Stadt selbst aktiv in die Hand nehmen: Zwischennutzungen, urbanes Gärtnern, StreetArt und Guerilla-Aktionen im öffentlichen Raum gehörten dazu. Prof. Altrock betonte, dass solche Projekte wertvolle Beiträge zur Stadtentwicklung leisten: sie entwickeln und verbreiten Innovation, indem sie neue Nutzungen und Sichtweisen ins Spiel bringen; sie stärken die Identifikation mit dem Wohnort und fördern nachbarschaftliches Engagement, sie schaffen eine Angebotsvielfalt im städtischen Raum und übernehmen teilweise sogar öffentliche Aufgaben und entlasten somit den Staat.

 

P1100548-WebFünf eingeladene Projekte aus Hannover, Resse in der Wedemark, Berlin und Leipzig berichteten anschließend aus ihren unterschiedlichen Praxisfeldern und stellten sich den Anfragen und der Diskussion mit den Anwesenden: Lars Wichmann von der „Limmer Eisbahn“ (www.limmer-eisbahn.de) stellte vor wie sie ab 2 Tagen Dauerfrost in Limmer eine Sportfläche in eine Eisbahn verwandeln, Karl-Heinz Müller aus dem Dorf Resse bei Wedemark (http://resse-eg.de) erzählte davon, wie es ihm und seinem Bürger*innenverein gelang, wieder einen Arzt und eine Lebensmittelversorgung im Ort sicherzustellen, Hannes Lindemann vom Leipziger Verein „Haushalten e.V.“ (www.haushalten.org) entwickelt mit seinem Verein neue Ideen für die Erhaltung und Nutzung leerstehender Gebäude, Christian Grauvogel vom Mörchenpark e.V. in Berlin (www.moerchenpark.de) wie sie „ihr“ Stück Spreeufer nachhaltig und kreativ gemeinsam gestalten. Außerdem erzählten Y. Sowa, B. Thomas und J. Putzke vom hannoverschen „PlatzProjekt“ (www.platzprojekt.de), wie es ihnen gelungen ist aus einer Brache ein Experimentierfeld für Projektideen junger Menschen in Hannover zu machen.

Ziel der Veranstaltungsreihe des Bürgerbüros Stadtentwicklung ist es, gezielt die derzeitige Rolle und die Hindernisse bürgerschaftlicher Aktivitäten zu beleuchten und daraus Impulse und Ideen für ein zukünftig verbessertes Klima für Bürger*inneninitiative in unserer Stadt zu entwickeln. Diese Anregungen sollen anschließend in das städtische Gesamtkonzept „Mein Hannover 2030“

eingespeist werden.

 

Die zweite Veranstaltung des Bürgerbüros erbrachte interessante Ergebnisse für den Stadtentwicklungsdialog: gewünscht wurden u.a. eine frühzeitige, transparente, inklusive und niedrigschwellige Beteiligung an Planungsprozessen; jeder soll mitkriegen können was passiert. Darüber hinaus wurde einer Schnittstelle für bürgerschaftliches Engagement, welche als Katalysator für bürgerschaftliches Engagement, Kompetenzzentrum für kreative Beteligungsmöglichkeiten und als Übersetzer/Moderator gegenüber der Stadt und Verwaltung fungiert, große Bedeutung beigemessen. Wünschenswert wäre darüber hinaus eine unbürokratische Anschubfinanzierung für bürgerschaftliche Projekte und die gezielte Bereitstellung von Brachflächen oder auch leerstehenden Läden und Immobilien für kreative (Zwischen-)Nutzungen durch die Liegenschaftsverwaltung.

 

IMG_0213-WebAbschließend wurden die Teilnehmer*innen gebeten, diese Veranstaltung – wie auch andere Veranstaltungen des Stadtentwicklungsdialogs – auf www.mh2030.de zu bewerten, um eine Rückmeldung an die Veranstalter*innen zu ermöglichen, was noch optimiert werden könnte.

Beim nächsten Termin der Veranstaltungsreihe „Stadtentwicklung von unten“ am 13. März, 15 – 18 Uhr in der Üstra-Remise geht es darum, wie die Stadt Hannover Gemeinschaftliches Wohnen zur Miete fördern kann. Eingeladen sind die baupolitischen Sprecher der regierenden Parteien, verschiedene Vertreter hannoverscher Wohnungsunternehmen sowie sechs hannoversche Wohnprojekte, die sich auf einem Marktplatz präsentieren werden. Der Eintritt ist wieder frei, nähere Informationen gibt es hier.

Print Friendly, PDF & Email