Wer kennt das nicht? Eigentlichen weiß jede*r, dass Erdbeeren aus Spanien im Winter lange Transportwege hinter sich haben, aber trotzdem gönnt man sie sich ab und zu. Auch ist bekannt, dass das Auto viel umweltschädlicher als das Fahrrad ist, aber gerade bei nasskaltem Wetter siegt dann doch oft die Gemütlichkeit.
Warum Menschen sich trotz vorhandenen Wissens um Alternativen weiterhin klimaschädlich verhalten, wollte das Kuratorium Klimaschutzregion Hannover ergründen. So hatten sie am 06.11.2019 zu einem öffentlichen Diskurs zum Thema „Wissen vs. Handeln im Klimaschutz“ eingeladen. Die besonders aktuelle Relevanz dieses Themas zeigte sich auch in den Besucher*innenzahlen: Der Sitzungsaal im Haus der Region war mit knapp 400 Gästen ausgebucht.

Der Abend startete mit Begrüßungen von Hauke Jagau (Regionspräsident), Werner Backeberg (Kuratoriumsvorsitzender und Bürgermeister der Gemeinde Uetze) und Prof. Dr. Lars-Oliver Gusig (Klimaweisen-Rat). Anschließend wurde die Moderation an Jan Egge Sedelies (HAZ) übergeben, der mit Prof. Dr. Harald Welzer (FUTURZWEI) den ersten Impulsredner des Abends vorstellte.
In seinem Vortrag sprach Welzer über die Notwendigkeit der Abkehr von den vorherrschenden, negativen Klimaszenarien und vorschreibenden Verhaltensregeln. Diese würden oft nur zu Widerstandsreaktionen führen, statt zum Umweltschutz zu motivieren. Anstelle dessen sollte auf utopische, klimafreundliche Zukunftsgeschichten gesetzt werden. Diese positiven Visionen würden Menschen Alternativen zum konsumgetriebenen Handeln aufzeigen und sie motivieren ihr Verhalten zu ändern – vorausgesetzt die Geschichten sind überzeugend und erstrebenswert. So könne laut Welzer der notwendige Wandel der Wertvorstellungen auf den Weg gebracht werden.

Einen anderen Ansatz wählte Prof. Dr. Kaiser (Professor für Persönlichkeits- und Sozialpsychologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) im nachfolgenden Impulsvortrag. Er stellte anhand empirischer Studien vor, dass umweltfreundliches Handeln von zwei Faktoren abhinge: Der (Intensität der) eigenen Umwelteinstellung und der Schwierigkeit ein bestimmtes Verhalten auszuführen. „Leichte“ Maßnahmen wie Recycling ergreife noch (fast) jeder. Um regelmäßig für den Umweltschutz zu spenden oder selbst eine Fahrgemeinschaft zu bilden, müsste man jedoch besonders umweltschutzmotiviert sein, da diese Verhaltensweisen schwerer auszuführen seien. Um klimafreundliches Handeln zu fördern, müsse daher entweder dieses dauerhaft „leichter“ gemacht oder das Umweltbewusstsein der Menschen erhöht werden.

Im Anschluss trug SPAX seinen Poetry-Slam-Text „Grauzone“ vor und erntete auch mit seinem improvisierten Rap zum Thema „Klimaschutz und innerer Schweinhund“ lauten Beifall.

Es folgte die Podiumsdiskussion im Fishbowl-Format: Neben Prof. Dr. Welzer, Prof. Dr. Kaiser und SPAX nahmen auch Michael Nagel (Fridays for Future), Celine Gerlica (Students for Future) und Christine Karasch (Regionsrätin, Leiterin des Dezernates für Umwelt, Planung und Bauen) Platz auf der Bühne. Zwei Stühle blieben dabei jedoch frei: Diese waren für Gäste aus dem Publikum bestimmt, die so bei Bedarf mit in die Diskussion einsteigen konnten. Es entwickelte sich eine lebhafte und spannende Debatte über die Zukunft und Machbarkeit des Klimaschutzes, die durch die Beiträge aus dem Publikum bereichert wurde.

Insgesamt war es eine gelungene und interessante Veranstaltung, an der wir gerne teilgenommen haben. Wir sind sehr gespannt, was sich zukünftig im Bereich des regionalen Klimaschutzes noch ergeben wird und wie dies unser Zusammenleben in der Stadt beeinflussen wird.

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